Jean-Claud-Van-Damme-Style

 

In meiner Kneipe passieren immer wieder lustige Dinge. Letztens zum Beispiel, ist ein Mann in die Kneipe gekommen, mit Hut auf. Krass ich weiß, aber wartet, es wird noch krasser! Dieser Mann, hat in der völlig überfüllten Kneipe angefangen einen Spagat nach dem Anderen hinzulegen, einfach so! Dabei schaute er sich das Fußballspiel an und schien sehr glücklich zu sein.

Ich glaube er war verwirrt, vielleicht war das gar nicht das Spiel, welches er sehen wollte, oder vielleicht führte seine Lieblingsmannschaft nicht, oder vielleicht dachte er auch, dass wir alle die Verrückten sind und er in seiner Welt der einzig normale Mensch ist. Ich mein, vielleicht hat er ja sogar recht damit. Jeder Mensch hat ja seine eigene Art von Denken und von Leben, seine eigene Welt eben. Vielleicht ist das schlagen von Spagats in völlig überfüllten Kneipen etwas ganz Normales und wir Anderen machen es alle falsch! Kann jemand denn mit Fug und Recht behaupten, dass wir richtigliegen, nur weil wir die Mehrzahl sind? Die Christen sind auch der größte Religionsverein weltweit, sie zählen die meisten Mitglieder, aber ist deshalb alles was sie taten und machen richtig? Dieser Mann brachte mich dazu wirklich nachzudenken. Ich wollte ihm glauben, wollte ihm folgen, seinen Lehren lauschen und schlussendlich wie er sein! Ich wollte einen Spagat in einer Kneipe schlagen können, so wie er! Ich war gespannt darauf, was mein neuer Highland als nächstes machen würde, welche Wunder uns widerfahren würden!! Begierig hingen meine Augen an seinem Körper, analysierend, nach jedem bisschen Neuheit lechzend! Wie geil kann ein Typ bitte sein, dachte ich mir und wollte den Gedanken seiner großartigen Existenz weiter ausfüllen, als ich ins Stocken geriet.

Den ganz urplötzlich, schob er langsam seine Hände in seine Jackentaschen. Ich hielt gebannt der Atem an! Welch wundersame Objekte würde er mit sich herumtragen? Vielleicht, hatte er eine Art Wundermedizin in seiner Tasche und würde uns alle aus unserem ach so trostlosen Leben befreien können! Vielleicht hatte er viel Geld in seiner Tasche und wollte uns alle dafür belohnen, dass wir diese Tristes namens Leben über uns ergehen ließen! Was für ein wunderbarer Mann! Er holte seine Hände ganz langsam wieder rau, dabei sah er mich unvermittelt an, als würde er mich sehen, als würde er mich begreifen und ja, mein ganzes Sein verstehen und akzeptieren und lieben! Mein Herz klopfte im Viervierteltakt mein Gehirn fuhr Achterbahn und ich musste Pinkeln, der gesunde Hopfensmoothie drückte, doch musste ich mich zusammenreißen, durfte ich doch vor dem Schöpfer meines neuen Ichs nicht so kindlich wirken!

Er zog seine Hände hervor und…hielten in jenen Händen, die unfassbarsten Objekte die man sich vorstellen konnte! Niemals, wirklich niemals nie, hätte ich damit gerechnet, dass jemand in einer Kneipe Zahnbürste und Zahnpasta aus seiner Tasche hervorholte. Genüsslich fing er an, mitten in jener Kneipe sich die Zähne zu putzen. Er war anscheinend doch nur sehr verwirrt, ich war zutiefst enttäuscht.

Wie eine Blase die platzte, wachte ich auf und hielt diesen Mann für total bescheuert. Also einen Spagat in einer Kneipe machen, Respekt. Du hattest meine Aufmerksamkeit, Mann mit Hut. Aber Zähneputzen in einer Kneipe und dann noch auf den Boden rotzen? Nein, danke. Du magst für kurze Zeit mein Highland gewesen sein, der Vater meines neuen Ichs, Architekt meines neuen Lebens, Pflanzer der Saat meiner Güte, doch bist du nun für mich gestorben. Doch das schien ihn alles nicht wirklich zu stören, er schlug weiter lustig seine Spagate.

 

Nichts desto trotz, hat mir dieser Mann etwas Wichtiges vermittelt, wie ich finde. Er hat nämlich einen Scheiß auf die Menschen um ihn herum gegeben, und einfach sein Ding gemacht. Gut jetzt kann man sich streiten, ob seine Taten von Minnesängern besungen werden sollten oder aber nicht. Fakt ist aber, dass Glauben, an Dinge, Götter, Menschen, und vor allem an sich selbst glauben definitiv nichts Schlechtes ist. Und in mir hat es definitiv wieder das Verlangen zu glauben gegeben.

Ich möchte glauben, aber nicht an Gott, so Leid es mir auch tut. Gott und ich, tolerieren uns, haben aber keinen wirklichen Draht zueinander. Er passt da oben auf den Himmel auf und ich auf die Hölle auf Erden. Wir sind nicht auf einer Wellenlänge, was okay ist, wir sind beide cool damit.

Also möchte ich an die nächsthöchste Entität glauben, welche auf diesem Planeten wandelt: An mich selbst.

Ich glaube daran, dass ich irgendwann mein Studium abschließen werde!

Ich mein, so schwer kann das nicht sein. Man muss aus einem Studium, aus einem Glauben ja nicht direkt eine Wissenschaft machen oder?

Andere Menschen können auch studieren, und wenn ich sehe, dass es immer noch Menschen gibt, welche „seit“ und „seid“ verwechseln, fühle ich mich am oberen Ende der Nahrungskette echt etwas unwohl.

Ich möchte glauben, dass der FC Schalke 04 noch deutscher Fußballmeister wird und ich das noch miterleben werde!

Fußball ist ja auch eine Art der Religion, wenn man mich fragt. Und der FC Schalke ist sowas wie der Buddhismus der Weltreligionen. Wir werden zwar in den oberen Rängen der Tabelle akzeptiert, aber so richtig traut uns keiner den Sieg zu. Und wenn wir dann kurzfristig in aller Munde sind, wird wieder der Trainer rausgeschmissen, die Bildzeitung berichtet, was gerade alles los ist und du als Anhänger willst dich dann nur noch in die Ecke setzen, meditieren und hoffen, dass das alles aufhört. „Ich bin eins mit der Macht und die Macht ist eins mit mir.“ „Ich bin eins mit der Macht und die Macht ist eins mit mir.“

Ich möchte glauben, dass Star Wars, Harry Potter und, und, und wahr sind. Ich will in diesen Universen leben, will mit einem Laserschwert oder einem Zauberstab rumfuchteln und das Böse bekämpfen.

Gut, sowas in der Art gab es im Christentum auch schon, da hat man allerdings mit Schwertern rumgefuchtelt, und ob die Bösen damals bei den Kreuzzügen auch wirklich die Bösen waren, will ich an dieser Stelle nicht beurteilen müssen.

Ich will glauben, dass jeder Mensch gleich ist egal wovor oder vor wem er steht oder stehen muss. Ich bin ein weißer, katholisch getaufter, heterosexueller Mann, der momentan nicht vergeben ist. Schreibt mir doch einfach mal bei ICQ an, 379501851. Ich will damit sagen, dass ich nicht weiß, wie es ist wirkliche Nachteile im Leben zu haben. Aber niemand sollte aufgrund seine Religion, seiner Hautfarbe oder seiner Sexualität ungerecht und benachteiligt behandelt werden. Wir sind alle Menschen, darin unterscheiden wir uns nicht.

Bist du kein Arsch mir gegenüber, bin ich kein Arsch dir gegenüber.

Ich schlage vor, dass wir es machen wie der Mann in der Kneipe, denn vielleicht hat der die Welt ja wirklich verstanden, als er da total verwirrt sich die Zähne putzte, als er total glücklich einen Spagat nach dem Anderen schlug, zwischen all den verschiedenen, meist betrunkend applaudierenden Menschen. Lasst uns doch alle einen Spagat zwischen allem schlagen, und an das glauben woran wir wollen, aber vor allem an uns selber glauben, und damit fangen wir jetzt alle am Besten an.

 

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  1. hi alex, ja ja schreib mehr so, danke

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