Zukunftsmusik

Ich bin so alt, zu meiner Zeit war High School Musical der Shit! Es war mein Leben in einem Musical verpackt! Ich wollte wie Troy sein, denn auch ich konnte nicht singen! Ich hasste Sharpey, und fand Chads Haare echt cool!

Ich bin alt! Zu meiner Zeit, war man sich noch nicht sicher ob man „Geil“ sagen darf, und wer damals mit Anglizismen um sich verwerfen konnte, der war wirklich cool!

Ich bin so alt, meine Pokemon waren die ersten 151, obwohl ich ja immer noch Pokemon spiele und sagen muss, dass ich die neuen immer noch cool finde. Hier muss auch einmal gesagt werden, dass man sich immer für Glumanda als Starter entscheiden muss, da man als Spieler ja die Herausforderung sucht, Bisasam und Schiggy sind halt echt viel zu easy. Da fange ich mir lieber ein Raupy, trainiere es mühsam zu einen Safcon, Gott wie ich Safcons gehasst habe in meiner Kindheit, nur um dann mit einem Smettbo vielleicht gegen Rocko antreten und gewinnen zu können. Ich bin so alt, dass die Jugend von heute gar keine Ahnung hat, wovon ich gerade geredet habe.

Ich bin so alt, mein damaliges Lieblingsspiel, gut schon nicht mehr auf Diskette, sondern auf CD, war RollerCoasterTycoon, Teil eins. Wusstet ihr, wenn man einem Besucher, welcher auf die Go-Kartstrecke wollte, den Namen „Michael Schumacher“ gab, fuhren alle Go-Karts schneller. Die Jugend von heute, kennt Michael Schumacher doch nur aus dem Krankenhaus. Damals, als ich Formel 1 geguckt habe, war Michael Schumacher noch bei Renault, und nicht bei seiner Krankenschwester Renate.

Ich bin so alt, bei mir im Unterricht wurden noch Zettelchen rumgereicht, auf welchen dann zum Beispiel stand, dass Fabian wesentlich attraktiver wäre, als der Alex, was zum einen an Fabians Alter lag, er war bereits zum zweiten Mal sitzen geblieben, und zum anderen daran, dass Alex halt nicht so der Kiffertyp war, und die Kiffer/Skater/das was ich da trage ist eigentlich gar keine Hose, alles was du sehen musst, ist mein Arsch, sind halt irgendwie heißer, als jemand der mit vom Fußball aufgescheuerten und verdreckten Jeans in die Schule kam, weil seine Mutter meinte: „Ne ich kauf dir nicht nochmal einen neue Hose.

Ich bin so alt, mein erstes Handy war ein Siemes c25. Das hatte noch kein Farbdisplay, aber war schon damals so groß, wie die Handys heutzutage. Dafür hatte es eine coole, in Hartgummi eingewickelte Antenne, welche für perfekten Empfang im Dschungel Alaskas gesorgt hätte und der Akku hält immer noch!

Ich komm aus einer Zeit, in welcher Hashtag noch Raute hieß und man die vereinfachte Ausgangsschrift lernte, welche damals schon kritisch beäugt wurde. Heute wird „Schreiben wie man hört“ gelernt. Ist das jetzt ein te oder ein de und warum kannst du deinen Namen immer noch nicht schreiben Kevin, was kannst du eigentlich ohne Autokorrektur?

Ich fühle mich wirklich alt. Und das liegt nicht nur daran, dass ich Tokio Hotel „Durch den Monsum“ noch komplett mitsingen kann, das liegt auch daran, dass ich, wenn ich in alte Tagebücher von damals schaue, gut es sind nicht die meinen, es sind die meiner Schwester, welche ich mal zur Sicherheit für sie aufbewahrt habe, ich echt in Nostalgie schwelge. Ich hoffe Schwesterherz, dass du das hier nie hören wirst, obwohl das ja heißen würde, dass du nie zu meinen Auftritten kommen würdest, warum nicht? Müssen wir uns wieder streiten, so wie damals als ich mit der Fernbedienung den Fernseher nur etwas lauter stellen wollte und nicht etwa Hannah Montana umschalten wollte, und du dann nach Mama und Papa gerufen hast, dass ich dich geschlagen hätte? Weißt du was? Fick dich kleine Schwester! Ich werde dich bei Facebook, Instagram, Whatsapp, Snapchat und Tinder blocken und bei SchülerVZ auch nie wieder angruscheln. Übrigens glaube ich, dass Andreas damals euren ersten Kuss ehr nicht so tol, ja du hast toll mit nur einem l geschrieben, tol, fand wie du ihn fandest, was ja die Tatsache belegt, dass du drei Tage später heulend zur abwechselnden Musik von Avril Lavigne und Lafee vor deinem Tagebuch saßt, und schriebst wie kacke Andreas doch ist.

Ich habe nie Tagebuch geschrieben, Schade eigentlich.

Doch hätte es damals vor Dummheiten und Sorglosigkeit getrieft, so wäre es heute ehr voller Sorge und Angst gespickt. Denn ich bin alt. Gut ich bin erst zweiundzwanzig Jahre alt, doch wenn ich im Bus sitze, und um mich herum die nervenden Kinder Tanzverbot und sonstige Gülle laut hören, und ich es bereue meine Kopfhörer vergessen zu haben um in Rolf Zuckowskis Musik unterzutauchen, dann fühle ich mich steinalt. Ich kann nicht mehr so sorglos sein wie sie. Was zum einen daran liegt, dass ich Musikgeschmack besitze, und zum anderen daran, dass ich mir langsam Gedanken über meine Zukunft machen muss. Was will ich mal werden? Welchen Job will ich machen?

Ich mein, ich studiere Philosophie und germanistische Sprachwissenschaften, nicht auf Lehramt, im sechsten Semester, nein ich bin noch lange nicht fertig. So viele Optionen bleiben mir ja nicht. Zum Glück habe ich bereits einen Führerschein. Wie soll ich Teil einer Gesellschaft voller kapitalistischer Gedanken, frauenverachtener Spacken, rechten Rändern, Besserwissern, Übertrumpfern, Falschparkern, Assis, Terroristen, Veganern, Kriegstreibern und alter Menschen, welche die Schlange and der Kasse aufhalten, weil sie ja bestimmt noch passendes Kleingeld dabeihaben; „Sagen sie junge Dame, ist das ein Zwei-Cent-Stück oder ein Zwei-Euro-Stück.“ Ich will kein Politker oder Bwler werden. Aber irgendwo muss das Geld ja herkommen.

Vielleicht heirate ich einfach in eine reiche Familie ein, eine reiche Frau.

Vielleicht ist sie alt und hat viel Geld. Der Altersunterschied oder die Tatsache, dass ihre Kinder meine Eltern sein könnten, würde mich nicht stören, dann hätte ich vielleicht endlich Eltern, die mich lieben würden! Und wenn es sein muss, gebe ich mich ihr auch auf sexueller Ebene hin, zu für sie recht schmissiger Zwölftonmusik. Für Geld kratze ich halt einmal im Monat die Kruste der Grotte auf. Und wenn sie dann stirbt, knirscht nicht mehr ihre Grotte der Lust, sondern das Geld in meinem Pool, wenn ich darin nackt schwimme, und ich kann wieder in Ruhe hören, wie Sido die Fuffies durch den Club schmeißt. Oder ich heirate einen reichen Mann, vielleicht ja Elton John. Wer weiß schon, was meine Zukunft für mich bereithält. Vielleicht mach ich die zweite Hälfte meines Lebens schwul.

Ich fühle mich alt, wenn ich mir Gedanken über meine Zukunft, Rentenversicherungen, Lebenskonten und Zahnersätze mache. Ich fühle mich alt, weil mein Körper schon jetzt nicht mehr alles mitmacht, was auch daran liegen mag, dass ich mit ihm nicht immer gut umgegangen bin.

Ich fühle mich alt, wenn ich Musik von Michael Jackson oder Queen höre und dazu, zumindest innerlich immer noch total abgehe. Doch auf eine Sache, kann ich mich verlassen, Alter hin oder her. Wann immer mich die Musik packt, schließe ich meine Augen, und vergesse die Sorgen um mich herum und bin wieder Kind, hab wieder Spaß, bin in einer anderen Welt. In einer Welt, welche nicht von Zukunftsängsten, sondern von wunderbarer Zukunftsmusik geprägt ist.

Und wenn ich dann wieder die Auge öffne, dann kann ich zumindest meine Angst für einen Moment lang kontrollieren. Dann bin ich Herr im Hier und Jetzt. Dann bin ich der Dirigent meines eigenen Musicals, begleitet von einem Live-Orchester, wenn schon denn schon. Und ihr alle seid auch irgendwie ein Teil davon, aber ich spiele die Hauptrolle, sorry. Dann schaue ich euch an, und frage, ob ihr alle bereit sind, bereit für die Zukunft. Wenn nicht, macht euch nichts draus, ich bin es auch nicht. Aber es wird gut, versprochen. Also, alle auf ihre Positionen, noch einmal tief Luft holen, noch einmal sammeln. Die erste Geige spielt den ersten Ton, die Posaunen ertönen voller Vorahnung, der Bass leitet tief und bestimmend, die Musik wird immer lauter und lauter und lauter und der Vorhang hebt sich, wir fangen alle an laut und wunderbar zu singen, unsere Stimmen erheben sich, das Publikum applaudiert, rastet aus, stimmt mit uns ein, und es wird das Beste sein, was ich, was wir jemals geschaffen haben. Und das, obwohl ich wie Zac Efron, im ersten Film, gar nicht singen kann.

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. dann bin ich ja methusalem, nein adam war mein opa, oje
    und ich fühl mich garnicht so, immer noch das gleiche blöde ich, das lernt nur, altert nie. und nimm doch einfach die gegenwart, die ist immer gerade da
    und noch was, mach dein ding, das was du brauchst kommt dann dafür
    oder auch nicht, dann musst du es dir holen.
    nur mach dein ding, fehler sind besser als es nicht zu versuchen, oh ich bin alt, weise sätze,
    vielleicht sollte ich mich als zuckertütchentexter , du weisst schon die zuckertütchen zum kaffee oder tee bewerben.
    ne ich wasch jetzt geschirr, ups und gerade bekomm ich ne anwerbemail von nescafe
    verrückt nicht?

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