Ode an mich

 

Gut, ich gebe zu:

Ich liebe, liebe, liebe, liebe, liebe, liebe, liebe, liebe, mich.

Ja ich bin von mir selbst gar sonderbar verzückt und jedes Mal, wenn ich mein Antlitz in einem Spiegel beobachten darf, fühle ich mich wie verzaubert!

Ich schaue mich an und sage mir selbst: „Bravissimo! Du schaust aber auch von Tag zu Tag besser aus!“

Und dem würdet Ihr mir doch sofort zustimmen, nicht wahr? Natürlich würdet ihr das! Ich mein, blicke der Sonne entgegen!

Bin ich nicht ein gar wunderschöner Mann? Weder gleiche ich in Größe einem Kinde, noch einem Kirchturm. Ich fröhne, momentan zumindest, keiner wahrlich sportlichen Aktivität, weshalb ich auch nicht gerade im Besitzt eines Waschbrettbauches bin. Dafür habe ich genug Kuschelmasse angesammelt um Euch den ganzen Tag über zu bekuscheln! Diese Kuschelmasse war nicht gar klein im Preise, was auf Wohlstand meinerseits hinweisen soll!

Da ich dem Studium alten Wissens und Denkens fröhne, ist für eine finanzielle Zukunft bereits gesorgt!

Wie Ihr mit Euren gar trefflichen Augen erkennen könnt, wird mein Antlitz von einer Brille im Rahmen gehalten, welche für Intelligenz und Intellekt steht, welcher sich fürwahr in reichlichen Mengen in meinem Hirne angesammelt hat.

Gar spielend schwinge ich Wort um Wort durch die Lüfte. In der Tat bin ich oftmals dazu in der Lage, Sprache auf die vollzüglichsten Arten und Weisen zu benutzten, sodass es scheint, als würde sich ein Garten Eden, in Form von Sprache förmlich aus meinem Munde oral ergießen!

Doch jenes ist nicht die einzige Fähigkeit, zu welcher mein Munde imstande ist, wenn Ihr meine unterschwellige obszöne Anspielung versteht. Mein Mund ist gar geübt im Schnäbeln und im abzuzeln. Falls Euch jene Wörter nicht geläufig sind, so möchte ich für Euch meinen Intellekt bedienen und übersetze euch jene famosen Wörter. Ich kann gut knutschen und lecken!

Des Weiteren befindet sich der Zustand meiner Koordination zwischen meinen zu fleischgewordenen, körperlichen Werkzeugen, durch die Natur gegeben, durch mich perfektioniert, meine Gerätschaften der Handlichkeit, meine zarten Hände und meiner Augen in einem fantastösen Zustand!

Und wenn Ihr mir verzeiht, so möchte ich keine Wörter über mein Instrument der Lust durch die Lüfte schnipsen. Manche Dinge bedürfen keiner übertrieben, gerechtfertigten Beschreibungen, wie euch sicherlich bald auch bewusst sein wird. Da ich ganz und gar ein Gentleman bin, wie er im Buche steht, rede ich nicht von unseren Trieben, wenn ich erwähne, dass Ihr immer als erste kommen werdet. Alles, was euer teures Herz begehrt, soll euch gehören!

Ich bin mir Eurer Situation durchaus bewusst, weshalb ich mich anschicken möchte euch zu versichern, dass mir nichts Frevelhaftes im Sinne schwebt, im Gegenteil. Ich bin durchaus in der Lage, mir eine Familie zu erbauen, zu welcher Ihr als fester Bestandteil natürlich gehören würdet.

Sehet mich als guten Zuhörer in schlechten Zeiten und als famosen Bespaßer in wonnigen Zeiten an! Ich werde euer bestes Stück sein, euer bester Freund, euer Alpha und Omega, eure Welt.

 

Es ward sehr still um mich geworden, alle Blicke in dem kleinen Etablissement, in welchem ich und meine Zukünftige, mein Date uns niedergelassen hatten.

Alle Kinnladen waren weit gen Parkettboden gerichtet und auch meine Zukünftige blickte mich gar sprachlos an.

Zugegeben war es vermutlich etwas frivol meinerseits gewesen, im Laufe meines vortrefflichen Monologs auf den Tische zu klettern, aber ich wage zu behaupten, dass jene Aktion ihre Wirkung nicht verfehlt hatte.

Das Getränk, welches sich meine Zukünftige zum Gaumen führen wollte, war auf halben Wege in einer gefährlichen Schräglage in der Luft zum Stehen gekommen, sodass sich der Inhalt des jenes Gefäßes auf Ihr Mieder entladen hatte.

Langsam verließ ich den Tisch wieder und setzte mich Ihr gegenüber. Mir war bewusst gewesen, dass meine Ausstrahlung elektrisierend sein musste, zumindest für irdische Wesen, doch habe ich nicht mit einer Paralyse Ihrerseits gerechnet.

Geduldig wartete ich auf eine Antwort, wie auch der Rest der anwesenden Gäste, welche langsam die Kinnladen wieder an ihren angestammten Platz beförderten.

Langsam regte sich meine Holde. Ohne mich anzublicken, säuberte Sie dank Serviette Ihr Mieder, stand auf und ging mit der Entschuldigung ein flaues Gefühl in der Magengegend zu verspüren Richtung Toilette.

Ich wartete und die Zeit verging. Gefühlte Äonen liefen an meinem geistigen Auge vorbei und doch wartete ich weiter.

Sie kam nicht wieder zurück! Ich wusste nicht wie ich reagieren sollte. In Panik griff ich nach meinem kabellosen, Peripheriegerät um den Katastrophenschutz zu verständigen, als ein Kellner mich aufsuchte und mir eine Nachricht in Form eines Zettels, auf einem Silbertablett übergab.

Ich blickte ihn empört an, Silber, pah! Welch Frevel! Ich war es gewohnt, dass man mir ein Tablett aus Rhodium, dem teuersten Metall der Welt entgegenhielt, aber ich wollte die Kirche im Dorf lassen.

Auf dem Zettel war in unästhetischer Schrift geschrieben:

 

„Ich habe noch nie einen so selbstverliebten Kerl wie dich getroffen! Diese zwei Stunden waren die schlimmsten Stunden meines Lebens und ich bin mir nicht sicher, ob ich meine Leben noch als lebenswert ansehen kann, jetzt da du es durch deine bloße Existenz so ruiniert hast. Melde dich ja nie wieder bei mir!“

 

Ich gebe es nur ungern zu, aber ich war überrascht. Mit dieser Reaktion hatte ich in der Tat nicht gerechnet. Nicht ganz sicher wie ich reagieren sollte, saß ich nun da, mit mir alleine. Meine Brust fing an zu schmerzen und mein Mund ward trocken geworden. Langsam entluden sich meine Augen, in salziger Substanz und mir ward schwer um mein einsames kleines Herz.

Ich überlegte und ging mit mir schwer ins Gericht!

Offenbar hatte ich Probleme mit mir selbst. Ich hatte diese ganze Nummer nur gespielt, um meine Unsicherheit und meine Angst vor mir selber zu retuschieren. Das was ich von mir gab, war ehr eine Überredung meiner selbst und nicht etwa der holden Dame meines Antlitzes gegenüber gewidmet gewesen.

Ich war ein einsamer Mensch, welcher nicht ohne Lügen durchs Leben kam und sich ein bisschen Glück wünschte. Glück, welches mir bis heute noch nicht einmal vergönnt war! Mich dürstete es nach den Lippen und Lenden einer Dame. Ich verzehrte mich nach der Wärme und Geborgenheit einer Umarmung.

Mir grauste es vor mir selbst und so ging ich nach Hause, in mein Sanatorium der Stille, wo nur ich war, ich und die Dunkelheit der Einsamkeit.

Als ich ankam, blickte ich in einen Spiegel und begutachtete den Abschaum namens „Ich“.

Wer war ich?

Welche Probleme umtrieben mich und ließen mich so leiden?

Lange überlegte ich und dank der Stärke meines Intellekts kam ich schlussendlich zu einem Ergebnis.

 

Jene Frau war nicht prädestiniert meine Zukünftige zu sein!

Sie war ein dummes Waschweib, ein Bauerntölpel, eine Missgeburt, ein überhörtes Nein, welche nicht in der Lage war meine Wahrhaftigkeit, meine Barmherzigkeit und meine Grandiosität zu erkennen.

Deshalb griff sie nach gar plumpen Mitteln und verleumdete mich, wodurch sie ihre eigene kleine Welt beschützen konnte!

Dummes, armes Ding. Für eine Sekunde regte sich gar Mitleid in meinem Herzen.

Sie hatte sich selbst beschrieben, mich konnte sie nicht gemeint haben, denn schaut mich an! Ich bin wahrlich perfekt! Ein Ebenbild Gottes, gar Gott in allen Bereichen übertreffend!

 

„Bist du glücklich?“, fragte mich mein Spiegelbild

Kaum sage ich ja, sagt er: „Ich bin es aber nicht. Leichter wäre es, wärst du ein bisschen mehr wie ich. Ach wärst du nur ein kleines bisschen weniger wie du und mehr wie ich.“

 

Und wer bin ich meinem Spiegelbild zu widersprechen?

 

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