Alex und das Essen

Früher, da liefen die Dinge anders. Früher war alles so, wie es hätte sein sollen.

Laut meinen Eltern war ich früher ein ganz normales Kinde, aß alles egal ob Lauch oder Rinde. Egal was auf meiner Essensliste stand, wurd es mir vorgesetzt ich es sofort verschlang.

Gestillt wurde ich fläschlig, Muttermilch war zu entsetzlich, und so fing es wohl damals schon an zu wackeln, des Geschmackes Weltbild im Wandel.

„Was auf dem Tische steht, das wird gegessen, und bist du ja nicht so vermessen, zu verschmähen was Vater und Mutter dir erschlugen, dir jagten, egal ob mit Ruten oder Bogen, mit dem Schießeisen auf Meisen schießend, die Flinte auf das Rehkinde zielend, gar spielend, des Karnickels Felle lösen, ihm die Haut entblößend und all die Beute nach Hause bringend. Um es dort zu drapieren, zu ziehen übers Bleche, in rechter Hand die Kelle, in der linken Hand das Messer und glaub mir es wird nur besser mit Gewürzen, schüttelt brav aus eure Schürzen, denn kein Dreck und kein Staubkorn soll das Essen schocken, wenn wir es für dich hier Kochen.

Drum erkenn den Unmut deiner Eltern, die sich so viel Mühe gaben, mit Liebe und mit Aufwand, dir undankbarem Blage, ein Festmal zaubernd, darzubieten. Doch egal was es ist, du bist nie zufrieden! Doch das ist uns egal, sei dir Gewiss!

Schau auf deinen Teller, halt den Mund und iss. Denn diese Suppe ist ein Gaumenschmaus, steht das doch auf der Dose drauf.

 

Und so quälte ich mich Jahr für Jahr, durch diese geistige Tortur. Aß kein Körner, kein Grau noch Schwarzbrot, aß Toastbrot nur. Verschmähte Fisch und Fleisch, denn was auf meinem Teller lag, war mir ganz gleich.

Über Jahre hinweg hielt sich dieser Graus, Tag ein, Tag aus, war ich jedem und vor allem mir eine Qual, war ich doch ganz und gar Geschmacksneutral.

Ich mochte nichts, mochte keine Tomaten, keine Gurken, keinen Salat und keine Schoten, mochte keine Pilze keine Linsen, hatte Probleme Essen im Supermarktregal zu finden, denn in mir da rührte sich nichts, wenn ich die Vielfalt erblickte. Es gab nur eine Sache, wohl bekannt, für jedes Kinde in jedem Land, welche mich immer wieder entzückte und gewann:

Zucker, Verführung süßer Zärtlichkeit.

Ich weiß das kling schlimm, doch das ist was ich war, was ich bin. Denn ich war noch nie bereit, bereit zu probieren, essen ich mich rein zu stopfen und zu forcieren, zu lernen und zu lieben. All die Schöne Vielfältigkeit, welche mir ward immer prophezeit.

 

Nun bin ich schon zweiundzwanzig Jahre alt, bin ausgezogen, hab ein bisschen was erlebt.

Doch bald, merkte ich was der Zucker hinter sich hergezogen hatte, den riesigen Rattenschwanz: Ganz traurig, blickte ich auf meinen Wanz.

Denn ich bin dick geworden, nahm viel zu. War zu faul zum Kochen und zum richtig essen, denn wozu sollte ich das machen, wo Fast Food doch so einfach war.

Die Mahr, sie wirkt noch heute nach, denn ich nahm zu. Zwanzig Kilo wanderten auf die Waage und stießen mich in ein tiefes Ungleichgewicht, denn ich merkte schnell: Dick sein mag ich nicht.

Doch wo kam das alles nur her, ich wusst es gleich: Das Eis. Das Eis, welches nicht nur zum Essen war, sondern auch das auf welchem ich seit Jahren wanderte war dünn geworden und ich dicker. Ich wurde immer sicker, krank durch mich selbst durch meines Aussehens Macke.

Mir hatte schon immer eine Sache gefehlt: Der Geschmacke

Es fällt mir auf, wenn ich auf Klo sitze und pisse, mir beim Pressen des festen bis zum letzten Brocken staubtrocken die Tränen in die Augen schießen.

Und dann machte es irgendwann auf Klo Knack: Mir fehlt Geschmack.

Auf Klo hat man bekanntlich die besten Ideen und endlich hatte auch ich es eingesehen.

Egal ob riechen oder schmecken, ob essen oder lecken, mir fehlt bei allem was ich mach: Der Geschmack.

Dies erkannt, ging ich hart mit mir ins Gericht und meine ich das Essen nicht. Ich dachte und dachte, doch lachte nur voll Trauer als ich hart aufschlug an jene Mauer, welche mich schon immer trennte, von denen die essen, und von jenen die fressen.

Ich hustete, prustete, fluchte und suchte wann immer ich und mein Geschmack uns trafen. Denn so konnte ich nicht weiterschlafen, so konnte ich nicht weiter leben könnte es doch noch so viel mehr geben als nur kacki.

Den mein Lieblingsgewürz, das ist Maggi.

So konnte es nicht weiter gehen, gab ich mir selber zu verstehen und sprach mir selber zu: Hinfort in fremde Welten, zu den Türken, zu den Kelten, auf nach China und Japan, bis tief in den Sudan. Ich will probieren spanisch und auch schwedisch, amerikanisch und chilenisch! Denn nur wenn ich hab alles mal probieren können, kann ich mir weiter Süßes gönnen.

Ich begab mich auf eine lange Reise, einen morschen Holzpfad, weiß nicht ganz wo ich ihn fand doch hatte er wohl meine Wünsche erkannt. Denn er brachte mich weg, weg von all dem was ich kannte, was ich mochte, was ich wollte. Und trotz in mir nicht enden wollender Revolte, enddeckte eine neue Variante die Dinge zu sehen, das Essen als solches zu verstehen.

So landete ich alsbald, nachdem ich probierte Küchen über Küchen, ließ kein Reiskorn missen. Erbrach mich in Chillischoten und konnte vor Schärfe nicht ohne Schmerzen koten. Hielt angewidert Robbenfleisch in Händen, aß sogar Menschenfleisch von Menschenlenden. Probierte alles und fand mich. Fantastisch.

Ich hatte nun alles probiert und hatte alles erfahren, und wenn mich einer frug: „Hast du das überhaupt schon mal gegessen?“ Konnte ich bejahen.

Bejahnen konnte ich nun endlich auch mich und meinen Geschmack!

Hatten wir uns doch über Jahre lang an den Haaren gepackt, so packten wir nun unsere Schultern und liefen Arm in Arm die Fressmeilen entlang. Hatten wir uns nun doch gefunden und waren auf ewig, durch den Zucker verbunden.

 

Es mag da draußen bestimmt viel gutes Essen geben, doch ist das für mich irrelevant. Ich bin nicht wie ihr, für mich ist Essen nicht irre interessant, im Gegenteil. Ich esse das was ich esse, weil es mir schmeckt. Findet ihr das nicht gut, so habt ihr Pech. Jedem das was er mag, man muss niemanden zwingen. So nun sind wir beim Ende angelangt, trotz wimmern und winden, lasst mich noch ein Zitat zum Abschluss anbringen: „Genießen ist sinnlich, essen ist sinnvoll, Diäten sind sinnlos.“ Prost!

 

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